Traktor und Veteranentreffen 2010
Traktor und Veteranentreffen 2007
Zum Jubiläum gab's einen Trecker-Korso
Besucher konnten beim Traktoren- und Veteranentreffen der Rengsdorfer Rockfreunde mehr als 100 Fahrzeuge bestaunen - Runde durch den Ort
Noch vor wenigen Wochen dominierten wummernde Bässe die Geräuschkulisse bei den Rengsdorfer Rockfreunden, nun bestimmte das Tuckern schwerer Motoren die Szenerie auf dem Waldfestplatz.
RENGSDORF. Dass ein Traktor nicht nur als Arbeitsgerät für die Landwirtschaft dient, sondern auch ein Liebhaberstück für seinen Besitzer sein kann, davon konnten sich die Besucher am Wochenende in Rengsdorf überzeugen. Denn der Förderverein der Rockfreunde Rengsdorf hatte zum Traktor- und Veteranentreffen eingeladen - und das nun schon zum zehnten Mal.
Auf dem Waldfestplatz waren dabei neben Traktoren auch zwei- und vierrädrige Oldtimer zu bestaunen. "Wir haben erst seit zwei Jahren alte Motorräder und Autos dabei", erklärt Organisator Rolf Boden, "damit wollen wir ein breites Publikum ansprechen. Traktortreffen gibt es in der Umgebung mittlerweile einige, da muss man sich was einfallen lassen, um die Leute zu anzulocken."
Im Jahr 1998 hatten die Rengsdorfer das Treffen ins Leben gerufen. Die Rockfreunde richteten damals schon lange ihr beliebtes Rockfestival aus. "Doch ohne Traktoren hätten wir den Auf- und Abbau gar nicht leisten können", sagt Boden. Und als dann gleich mehrere Vereinsmitglieder ihre Leidenschaft für die Maschinen entdeckten, lag es nahe, ein Traktortreffen zu veranstalten. "Mittlerweile haben wir auch viele junge Mitglieder", fügt der Organisator an, "und das Zusammenspiel zwischen den Generationen funktioniert gut."
Zum kleinen Jubiläum gab es an diesem Wochenende denn auch einen besonderen Höhepunkt: einen Veteranenkorso durch Rengsdorf. Jung und Alt machten sich am Samstagnachmittag mit circa 50 Fahrzeugen auf, eine Runde durch den Kurort zu drehen. Am Abend hatten die Teilnehmer dann Gelegenheit, am Schwedenfeuer zu fachsimpeln.
Natürlich bewunderten die vielen Besucher aus Westerwald, Rheinland, Hunsrück und Eifel auch die herausgeputzten alten Autos und die ebenfalls in der Sonne glänzenden zweirädrigen Oldies. Doch das Hauptaugenmerk galt den Treckern, darunter eine Zugmaschine der englischen Marke John Deere aus dem Jahre 1949, die mit einem zweiten Motor angelassen wird. Auch eine selbst fahrende Saatmaschine der Marke Schmotzer zog die interessierten Blicke auf sich. Insgesamt gab es am Wochenende in Rengsdorf mehr als 100 Fahrzeuge zu bestaunen.
Am Sonntagmorgen sorgte dann noch die "Jim Everett Band" mit Countrymusik für gute Laune. Denn ohne Musik geht es für die Rockfreunde natürlich nicht. Und schließlich fließen die Einnahmen des Treffens einmal mehr in das jährliche Rockfestival.
Julia Kaballo
Über das Traktortreffen
Ohne Jost Anhäusers Traktor wäre das Rockfestival in dieser Form von Anfang an nicht denkbar gewesen: Es galt die immer umfangreicher werdenden Materialien des Vereins zu transportieren, Bau-material herbeizuschaffen, den Müll zu beseitigen, LKWs zu zeigen, wie 10-Tonner-Anhänger im Wald bewegt werden, um anschließend den festgefahrenen LKW wieder zu befreien usw. Aber wir fügten den auch uns bereits bekannten vielfältigen Funktionen eines Traktors bald neue hinzu: Kinderspielplatz, Ersatz für die gerade anderweitig verwendete Leiter, fahrbare Arbeitsplattform zum Aufhängen der Beleuchtung, Stehtisch für die intime Runde, Abrisshilfe, Verkehrberuhigung für den Rengsdorfer Innerortsbereich, Ausflugsomnibus ...
Nach dem Motto „Ein Mann ohne Traktor ist wie ein Fisch ohne Fahrrad" oder so ähnlich beobachteten wir eine erstaunliche Vermehrung der Traktorenbesitzer in den Reihen der Rockfreunde. Als dann irgendwann in der zweiten Hälfte der Neunziger Jahre diese Fraktion sich mehr mit Wettbewerben untereinander als mit dem Auf- oder Abbau beschäftigten, die auf dem Platz abgestellten Traktoren schon fast den Bühnenaufbau behinderten und die Traktoristen über die begehrten Aufträge in Streit gerieten, meinte dann der halbwegs sachlich gebliebene klägliche Rest des Vereins, dass wir den Jungs eine neue Aufgabe geben müssten.
Ungefähr so entstand die Idee des Traktortreffens. Die Kontakte zu den organisierten Vereinen hatte in erster Linie Fritjof Theis, in Traktoristenkreisen wegen seiner ständigen Suche nach Ersatzteilen bekannt wie ein bunter Hund, der dann auch den wesentlichen Teil der Organisation übernahm.
Schon die erste Veranstaltung am 19./20. September 1998 war mit ca. 50 Teilnehmern und 250-300 Besuchern ein voller Erfolg. Allein was an exotischen Maschinen (bis auf wenige Ausnahmen aus ei-gener Kraft) auf den Platz gefahren kam: Vom putzigen Schlüter bis zum gewaltigen Ursus. Und natürlich die manchem von früher noch bekannten, aber irgendwie in Vergessenheit geratenen Fahr, Deutz, Hanomag, Holder, Porsche, Eicher und Lanz. Faszinierend auch die Technik: Die Prozedur des viertelstündigen Vorheizens und des Anwerfens der oft mit putzeimergroßen Hubräumen ausgestatteten Lanz oder Ursus, das keuchhustenartige Startgeräusch der Eicher, die filigranen Leitungen eines 50 Jahre alten Deutz, die An- und Aufbauten vom Ausleger über die Hydraulik bis zur Kreissäge, die Heuwender und Mähwerke und die unrestaurierten „Schnäppchen", die ahnen lassen, wie der unmittelbar daneben stehende vollrestaurierte Traktor einst ausgesehen haben mag.
Auch ein Kräftemessen musste stattfinden, und so versuchte man sich gegenseitig in die nächstgele-gene Kneipe zu ziehen, natürlich, nachdem die Baumstämme abgehängt waren.
Bei Fassbier und Grillsteaks und - würstchen wurde bis in die späte Nacht hinein gefachsimpelt, um sich am Sonntagmorgen am Frühstücksbuffet wieder einzufinden. Offensichtlich ist auch am Sonntag der Gesprächsstoff lange nicht ausgegangen, wenn ich zumindest mein gesundheitliches Befinden am Montagmorgen als Maßstab nehme.
Das zweite Traktortreffen am 18./19. September 1999 überbot das erste nicht nur mit dem musikali-schen Frühschoppen mit der Koblenzer Dixi-Band „Stonehead Stompers", sondern auch durch die Anzahl der Teilnehmer: Gezählte 80 Traktoren, davon allein 30 Eicher, mehrere Unimog, die unglaubli-chen Moto Guzzi (!)-Umbauten - und das bei gleichzeitig stattfindender Konkurrenzveranstaltung. Neu war auch die Erbsensuppe, stilecht aus der Gulaschkanone.
Alles in allem - es hat allen Besuchern und auch uns so großen Spaß gemacht, dass wir weitermachen.
Auch mit dem Rock- und Bluesfestival...
(Ortwin Reinhard)













